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Montag, 7. Januar 2013

...from of my dead, cold hands

Der Ausspruch von Charlton Heston, verstorbener Schauspieler und Mitglied der amerikanischen Waffennarren-Lobby NRA ist in die Geschichte eingegegangen. Man mag hierzulande die Stirn runzeln ob solcher Einstellungen, denn bei uns ist es ja ganz anders. Ist es das?
Vielleicht ist die Aussage gewagt, aber gibt es nicht auch in der Schweiz genug Uneinsichtige, welche die Gefährlichkeit von Waffen einfach nicht anerkennen wollen und sich im Grundsatz gegen jede Einschränkung und Kontrolle wehren? Ok, sie argumentieren nicht wie die Amerikaner über das Grundrecht, aber das Resultat bleibt sich recht ähnlich. Zum Beispiel dass es Bluttaten wie kürzlich im Wallis gibt. Jeder ist betroffen und findet das furchtbar.
Und wieder mal wird festgestellt, dass es so und so viele Waffen gibt, viele davon unregistriert. Geradezu reflexartig argumentieren darauf interessierte Kreise, dass man mit Gesetzen immer die Falsche erreiche und die wirklichen Bösen unter uns sich ohnehin nicht um Regeln kümmern. Lassen wir das mal aussen vor, dann bleibt folgende Tatsache, über die lange und kontrovers diskutieren kann, die sich aber deswegen nicht anders präsentiert: wo Waffen sind, besteht die Gefahr des Missbrauchs, bewusst oder im Affekt.
Geradezu zynisch erscheint mir da die im Zusammenhang mit dem Walliser Drama (wieder mal) geäusserte These, dass ja nicht die Waffen das Problem sind, sondern die Menschen. Die folgerichtige Antwort darauf: würden nicht so viele Waffen in verschiedensten Haushalten herumliegen, bekämen Menschen diese potentiell todbringenden Werkzeuge nicht in die Finger. Wie der Fall aus Daillon zeigt, ist das allerdings weiterhin kein Problem.
Ich erinne mich an den 13. Februar 2011, als die Waffen-Initiative abgelehnt wurde. Und auch an meinen Kommentar von damals. Ich wüsste zu gerne, wie sich das mit den Nussgipfeln am Stammtisch nach dem Drama in Daillon verhalten hat.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Sünde

Dass die katholische Kirche offiziell klar gegen Abtreibung Stellung bezieht, ist ja nicht ganz neu. Sie bezeichnet es sogar als "schwere Sünde". Interessant ist, dass die Bischofskonferenz zur Initiative "Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache" nicht klar Stellung beziehen will - es gehe dabei lediglich um die Frage der Finanzierung und nicht um ein grundsätzliches Statement. Ich hätte erwartet, dass sich die frommen Herren klar dafür aussprechen. Zumal die Initianten von "verabscheuenswürdigen Verbrechen" reden - war dem Klerus die Tonart dann doch zu forsch?
Weil wir gerade bei der Moral sind, hier noch ein Statement von Peter Föhn, SVP-Ständerat: "Wenn die Bischöfe Abtreibungen als Sünde taxieren, ist das ein Schritt in die richtige Richtung". Und, jetzt kommt's: "Eine Frau darf sich nicht liederlich einlassen, ein Mann grundsätzlich auch nicht".
Aha, "liederlich" also. Abgesehen davon, dass der Ausdruck aus längst vergangenen Zeiten stammt (in denen Herr Föhn steckengeblieben zu sein scheint). Frei interpretiert heisst das somit, dass jede Frau, die ungewollt schwanger wird, eine Schlampe ist? Ein interessantes Menschenbild des Schwyzer Volksvertreters. Fast noch besser finde ich jedoch den zweiten Teil: "...ein Mann grundsätzlich auch nicht". Grundsätzlich nicht? Das heisst, unter Umständen, wenn der Druck dann gar zu gross wird, darf man(n) dann doch etwas "liederlich" sein? Ich verspüre leichte Übelkeit ob solchen Aussagen. Und mich schaudert, dass solches Gedankengut in der kleinen Kammer unseres Parlamentes in Bern vorhanden ist.

Donnerstag, 8. November 2012

Four more years!

Ich kann es nicht verhehlen: ich bin ungemein erleichtert, dass Obama vier weitere Jahre bleibt. Nicht dass er alles richtig gemacht hätte. Und nein, er kann doch nicht übers Wasser laufen. Damals ist er mit ungemein viel Enthusiasmus und wahrscheinlich etwas Naivität ans Werk gegangen. Beides nichts was man jemandem wirklich vorwerfen möchte. Trotzdem, die Illusion, er sei der Messias, hat sich wohl auch bei den Optimisten zerschlagen. Was bleibt ist ein Politiker, der sich für sein Land wohl nur das Beste wünscht und der im Ausland mehrheitlich als Sympathieträger empfunden wird. Dem Amerikaner, der keinen Job hat oder sein Haus aufgebem musste, ist letzteres wahrscheinlich ziemlich egal. Aber die USA sind nicht mehr unbedingt der Nabel der Welt und insofern ist es schon von einiger Relevanz, wie man das Land ausserhalb der Grenzen wahrnimmt.
Stellen wir uns einfach mal vor, ein äusserst vermögender Windfähnchen-Politiker wie Romney und ein weit rechts aussen politisierender Ryan wären ans Ruder gekommen... Ich mag mir gar nicht vorstellen, in welche Richtung die USA gesteuert wären. Egal, es ist glücklicherweise anders gekommen.
Wenn wir Schweizer das nächste Mal wieder das Privileg geniessen können, wählen und somit mitbestimmen zu können, sollten wir uns an die Bilder erinnern, die wir während der US-Wahlen gesehen haben. Die Menschen stehen teilweise stundenlang an, um ihr Recht ausüben zu können. Was würden diese Leute wohl davon halten, dass sich in der Schweiz weit über die Hälfte nicht für ihr Recht auf Mitbestimmung interessiert?

Samstag, 13. Oktober 2012

Glauben oder nicht glauben, das ist hier die Frage

Kürzlich war auf ARD eine interessante Diskussionsrunde zum Thema Religion zu sehen. Mit dabei eine schweizerische (konvertierte) Muslima, die sich in der Öffentlichkeit komplett verschleiert zeigt. Ich hatte angefangen, Respekt für die Standpunkte der Frau zu erlangen, obwohl mir vieles fremd und nicht nachvollziehbar erschien. Leider wurde der positive Eindruck zum Schluss dann jedoch mit ziemlich unverständlichen Aussagen zum Thema der Rechte von Männern und Frauen zunichte gemacht. Unverständlich darum, weil sie nicht von einer Frau kamen, die in einem Kulturkreis lebt, der Gleichberechtigung nicht eben zuoberst auf der Prioritätenliste hat. Wie kommt bloss eine Schweizerin, die in der Schweiz aufgewachsen ist, zu solchen Ansichten? Aber bilden Sie sich am besten selber eine Meinung.

Dienstag, 25. September 2012

Mit Lebensmitteln zum Arbeitsplatz

Was für ein Nonsense, denken Sie? Wieso mit Lebensmitteln zum Arbeitsplatz? Ich komme gleich darauf zurück.
Der gestrige Eco-Beitrag mit dem Titel "Biodiesel: Idee oder Illusion" hat das Thema bei mir wieder mal an die Oberfläche gespült. Es geht kurz gesagt um ein Schweizer Biodiesel-Projekt, das nicht so recht vom Fleck kommt beziehungsweise bei dem die mögliche Rohstoffquelle immer wieder ändert.
Wer sich mit dem Thema noch nicht befasst hat: Biodiesel wird aus Raps, Soja, Mais oder Zuckerrohr gewonnen. Und jetzt kommen wir zum vermeintlichen Unsinn meiner Aussage: das sind Lebensmittel. Das heisst, wir gewinnen mit Essen einen Teils des Sprits, mit dem wir zum Arbeitsplatz gelangen. Mit Pflanzen, welche in Entwicklungsländern den Menschen bei der Ernährung fehlen. Ein Unding ohnegleichen.
Damit aber nicht genug. Biokraftstoff ist nicht etwa ökologisch, nur weil "Bio" im Namen vorkommt. Es verweist lediglich auf den pflanzlichen Ursprung, im Gegensatz zu Mineralöl. Der vermeintliche Umweltnutzen ist zumindest umstritten. Wer mit dem Treibstoff fährt, sollte sich folgendes vor Augen halten: um Ackerfläche zu bekommen, werden riesige Waldgebiete gerodet. Das wiederum setzt grossen Mengen an CO2 frei. Und, was am Roden von (Regen)Wäldern besonders fatal ist: weniger Pflanzen = weniger Sauerstoff. Denn: durch die Fotosynthese entsteht quasi als Nebenprodukt der lebenswichtige Sauerstoff.
Ich hoffe sehr, dass die verschiedenen Regierungen diesem Unsinn bald ein Ende setzen. Solange Menschen verhungern, dürfen wir nicht zur Arbeit und in die Ferien mit Sprit fahren, der aus Lebensmitteln hergestellt wird - das ist nicht nur unökologisch, sondern schlicht unmoralisch. 

Samstag, 15. September 2012

Eskalation

Angesichts der aktuellen Proteste im arabischen Raum bin ich ein Stück weit fassungslos. Keine Frage, der ziemlich bescheiden produzierte und über YouTube verbreitete Mohammed-Film ist geschmacklos, wenn nicht dämlich - aber zumindest aus westlicher Sicht keine weitere Überlegung wert. Immerhin hat das Filmchen ein verdrehter Typ in den Staaten produziert und nicht die amerikanische Regierung.
Warum also wurde die US-Botschaft in Bengasi gestürmt und der Botschafter sowie drei weitere Angestellte umgebracht? Was den Vorfall besonders unverständlich macht: es waren in erster Linie die Amerikaner, welche Lybien befreit und die Stadt Bengasi vor der Vernichtung bewahrt haben. Offenbar muss die Rettung von Tausenden von Leben angesichts der Dummheit eines Mannes in den Hintergrund treten. Was für ein Hass muss in diesen Menschen lodern, um zu Tausenden zu gewaltsamen Protesten zusammenzukommen und eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen? Die Angriffe haben inzwischen auf weitere Ländern wie Ägypten, Jemen usw übergegriffen.
Gerade die amerikanischen Bürger werden sich zu Recht fragen, warum nun ein ganzes Volk von Teilen der muslimischen Gesellschaft zur Verantwortung gezogen wird. Meiner Einschätzung nach ist auch ein Grossteiler der Amerikaner der Meinung, der Streifen sei dumm, überflüssig und verspotte eine andere Religion in einer Weise, die nicht angebracht ist.
Ich verabscheue solche Akte des Hasses und der Intoleranz zu tiefst. Das spielt den radikalen Kräften im arabischen Raum wie auch in den USA geradezu in die Hände. Menschen muslimischen Glaubens fühlen sich beleidigt und ihrem Glauben bestärkt, dass die ganze westliche/christliche Welt gegen sie ist. Während die religiösen Eiferer und Scharfmacher in den USA - und von denen gibt es reichlich viele - Munition erhalten, um die militärischen Einsätze in der Region zu rechtfertigen und weitere Eingriffe für wichtig und nötig zu erklären. Wo das nur alles hinführen mag?
Glaube und Religion können eine wunderbare Kraft sein, um Menschen durch das Leben zu helfen und sie zu stärken. Leider sind sie aber auch immer wieder die Ursache für Hass und Vernichtung. Jeder glaubt die allein selig machende Wahrheit zu kennen und sie bei Bedarf mit Gewalt durchsetzen zu müssen. Und es soll mir jetzt keiner auf die Muslime zeigen. Die Christen haben endlose Feldzüge gegen die muslimischen "Ungläubigen" geführt und alles daran gesetzt, diese zu vernichten.
Wie viel schöner wäre unsere Welt, wären unsere Taten von Toleranz und Respekt geleitet. Es ist zu befürchten, dass dies Wunschdenken bleibt.

Montag, 4. Juni 2012

Luzerner Posse

Definition Wikipedia "Eine Posse ist ein Bühnenstück, das auf Verwechslungen, ulkigen Zufällen und unwahrscheinlichen Übertreibungen aufgebaut ist und durch derbe Komik Lachen erzeugen soll." Nun, liest man die Verlautbarungen zur anstehenden Abstimmung über die Anpassung der Ladenöffnungszeiten im Kanton Luzern, ist mir nicht nach Lachen zumute. Aber Übertreibungen sind reichlich anzutreffen.
Wenn ich das Leuten ausserhalb des Kanton Luzern erzähle, ernte ich ungläublige Blicke. "Was, bei Euch machen alle Läden am Samstag schon um 16:00 dicht? Und vor Feiertagen ist nur bis 17:00 offen?" Ja, Ihr Ungläubigen, so ist das bei uns. Nun gut, was will die Vorlage denn an revolutionären Änderungen? Gerade mal dies: am Samstag eine Stunde mehr, also bis 17:00 die Möglichkeit des Einkaufs. Und an den Vorabenden zu Feiertagen sollen normal Berufstätige die Chance haben,  sich noch Brot, ein Joghurt oder eine Tiefkühl-Pizza zu beschaffen. Dazu sollen die Geschäfte bis 18:30 offen bleiben. Wenn man sich das so ganz nüchtern anschaut, kommt man nicht umhin, folgendes zu denken: das ist alles? Keine komplette Liberalisierung? Eine schlappe Stunde mehr am Samstag?
Nun, die Gewerkschaften und somit die linken Parteien sowie ein erheblicher Teil des Gewerbes schreien Zetter und Mordio ob des Anliegens. Ob man denn gar nicht an die Angestellten denken, die da nun eine Stunde mehr arbeiten müssen? Und überhaupt seien die kleinen Geschäfte dem Untergang geweiht, da sie nicht mit den Grossverteilern mithalten können. Was lässt sich zu den Argumenten sagen?
Die Angestellten: es gibt maximale bzw. vertraglich vereinbarte Arbeitszeiten. Ausserdem ist eine Stunde mehr am Samstag eine Frage der Organisation. Ich erlaube mir das beurteilen zu können, weil mein Arbeitgeber einen Lebensmittelladen in der Stadt Luzern führt. Wäre es am Samstag eine Stunde mehr, stellt man halt den Arbeitsplan etwas um. Damit das noch erwähnt sei: wir hantieren hier mit 200% Fachpersonen, was nicht eben üppig ist. Abgesehen davon: mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass in den benachbarten Kantonen die öffentliche Ordnung zusammengebrochen wäre, seit die Ladenöffnungszeiten sich mehr an den Bedürnissen der Kunden orientieren.
Die kleinen Läden: wer sagt denn, dass sich die Kleinen wie die Grossen verhalten müssen? Wenn sich ein kleiner Quartierladen mit Migros oder Coop messen will, hat er ohnehin verloren. Die Nische und mehr Service ermöglichen das Überleben. Unser Laden in einem Quartier macht über Mittag zwei Stunden zu und am Samstag um 13:00 dicht. Warum: in der Zeit läuft kaum was. Sind wir deshalb in der Existenz gefährdet? Nein, sind wir nicht. Was vielen nicht klar zu sein scheint: Öffnungszeiten geben den Maximalrahmen vor und sind keine Verpflichtung. Für wen es also keinen Sinn macht, am Samstag eine Stunde länger offen zu halten, schliesst die Türen halt weiterhin um 16:00 - ein unternehmerischer Entscheid. Also lasst doch die oft und gerne propagierten liberalen Grundsätze spielen und den Unternehmer entscheiden, was für sein Geschäft sinnvoll ist oder nicht. Auf Drama zu machen, halte ich jedenfalls für unsachlich, wenn nicht unseriös.
Darum habe ich mit Überzeugung ein Ja zum neuen Ladenschlussgesetz eingelegt.